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11. Juli 2009 · Allgemein Im Fokus: Marius Bauer

Im Fokus: Marius Bauer

Ein Interview mit dem Illustrator Marius Bauer aka imrik.

1. Hallo Marius, wie geht's dir heute?

Marius Bauer: Hallo Oliver! Erst einmal möchte ich mich für die Einladung zu diesem Gespräch bedanken. Schon alleine wegen des Interviews geht es mir heute gut. Ich freue mich auch über einige zur Zeit laufenden Projekte, dazu aber lieber später mehr?

2. Gerne. Erzähl uns doch etwas über dich, wie ein typischer Tag bei dir abläuft, oder was du neben Illustration sonst noch so machst?

Marius Bauer: Mein Tag beginnt meistens gegen 8.00 Uhr. Den Vormittag verbringe ich mit Vorlesungen, E-Mails und Telefonaten. Als Psychologiestudent treibt es mich einerseits in eine wissenschaftliche Arbeit sowie auch in die kreative Richtung. Wobei sich diese beiden Dinge ja nicht gegenseitig ausschließen. Die zweite Hälfte des Tages arbeite ich an Kundenprojekten sowie neuen Ideen für Themes und Wallpapers. Natürlich treffe ich mich auch einmal mit Freunden und mache Musik, koche sehr gern und sehe mir neue Dinge an. Vor allem in den Galerien hier im Stadtviertel Haidhausen.

3. Wie kam es eigentlich dazu, dass du Freelancer-Illustrator geworden bist?

Marius Bauer: Angefangen hat es mit einer großen Begeisterung für 3D Animation. Dadurch hat mich mein Interesse zu Künstlern wie Tab Turnmire, Vladimir Shelest oder auch Ehren Kallman gebracht. Als einer der drei mir zu meiner großen Freude einige Einblicke in seine Arbeit gab bemerkte ich, dass diese 3D Objekte auf Vektoren basieren. Und deshalb dachte ich, fange ich doch erst einmal damit an. So versuchte ich mich an Photoshop und Illustrator. Dabei ist es seit 2003 geblieben und macht mir große Freude. Einen weiteren möchte ich gerne erwähnen. Jared Nickerson ist mir seit Anfang an ein guter Freund und wir haben viel von einander gelernt. Ihn möchte ich an dieser Stelle noch nennen, da er mir immer eine große Hilfe ist und sicher auch einer derjenigen, durch den ich auf diesem Job als Freelancer aufmerksam wurde.

Meaningless

4. Wie fängst du eines deiner Projekte in der Regel an? Kannst du uns einen Einblick in deine Arbeit geben, wie und womit du arbeitest? Fängst du zuerst mit Handskizzen an oder direkt „out of mind“?

Marius Bauer: Ein Rezept habe ich keines. Doch steht am Anfang oft eine längere Phase, Eindrücke und Einflüsse aus meiner Umwelt wahrzunehmen und zu sammeln. Wie man sicher auch erkennt, spielt die Natur eine wichtige Rolle in diesem Prozess für mich. Ich liebe es, Tiere und Pflanzen zu beobachten, zu fotografieren und zu zeichnen. Und kann guten Gewissens auch sagen, dass die Natur eines meiner größten Vorbilder als Designer ist. So sammelt sich mit der Zeit eine Bibliothek an Formen und Figuren an, die sich weiterentwickeln, verändern und an Detail gewinnen. Danach setze ich mich direkt an´s Wacom Tablet und arbeite ohne Skizzen, direkt mit Vektoren. Manchmal kommen aber auch spontane Ideen und ich beginne direkt mit der digitalen Arbeit.

Zur Hardware: Eine Faszination für Technik habe ich wohl direkt von meinem Vater geerbt. So bin ich regelrecht damit aufgewachsen. Als ich 15 war, fing ich an für ein Computermagazin online Artikel zu schreiben. Zu dieser Zeit habe ich oft eigene Rechner zusammengebaut und hatte auch großen Spaß daran. Als Apple vor einigen Jahren auf Intel-Prozessoren umstieg, konnte ich dem minimalistischen Design nicht widerstehen und kaufte das erste MacBook. Inzwischen arbeite ich oft mit Apple Hardware. Derzeit mit einem Wacom Tablet, einem 24" LED Cinema Display sowie einem 15 Zoll Unibody MacBook Pro. Dieses hat eine SDD und so ist dieses Setup bestens für meine Arbeit geeignet. Inzwischen schätze ich Leopard auch sehr als Arbeitsumgebung. Die Creative Suite 4, die ich vor einiger Zeit dazu kaufte, fügt sich gut in den Workflow ein und spart mir mit diesem Setup enorme Wartezeiten ein. Und sie eröffnet auch neue Möglichkeiten für Print und Animationen. So, jetzt aber genug davon...

My broken Heart

5. Dein Stil ist durch die vielen Jahre unverwechselbar geworden. Deine Arbeiten sind minimalistisch, aber dennoch detailreich. Wie hast du diesen Stil über die Jahre beibehalten und verfeinert?

Marius Bauer: Danke, das freut mich sehr zu hören. Wie bereits erwähnt ist die Natur in Form von Tier- und Pflanzensilhouetten eine wichtige Grundlage für meine Arbeit. Mir liegt viel daran, diese Formen auf ein Minimum zu reduzieren, jedoch immer noch erkennbar zu erhalten. Mit der Zeit beobachte ich diese Formen jedoch mit ihren Details und sehe, mit welcher Präzision diese dort an Blättern, Ästen, Flügeln und Gesichtern auftauchen. Ich denke, dass viele Produktdesigner sich auch von diesen Formen "inspirieren" lassen. Das einerseits zur Weiterentwicklung.

Andererseits experimentiere ich auch gerne mit neuen Stilen und Richtungen. Jedoch scheint es wohl eine Grundlinie zu geben, die alle Arbeiten verfolgen. Und es freut mich sehr, jemandem mit einem meiner Arbeiten auf der Straße zu sehen oder ein Wallpaper auf einem Desktop zu entdecken.

6. Kannst du uns vielleicht noch ein paar kleine Tricks für unsere Nachwuchstalente verraten?

Marius Bauer: Sehr gern. Ich unterstütze gerne Talente und denke, dass es einige davon auch hier gibt! Mein erster und für mich selbst auch wichtiger Grundsatz: Just do it. Manchmal höre ich auch gerne ein "Ah ja, das könnte ich ja auch zeichnen. So einfache Formen wie du malst.". Klar, der Unterschied ist nur, dass ich es getan habe. Ich denke, dass Design und Kunst ein Ausdruck sein kann. Genauso wie Sport, Musik oder auch einfach ein Gespräch. Einfach nur auf eine andere Art. Also probiert einfach aus, setzt euch hin und arbeitet mit den Dingen, die euch am besten gefallen. Ob das nun Technik, Wissenschaft, Wirtschaft oder was auch immer ist. Ein Talent hat jeder und es liegt an ihm oder ihr dieses zu finden und es zu nutzen.

Und das Gespräch suchen. Mit anderen Leuten zusammen arbeiten, Artgroups oder andere Gruppen gründen und Feedback bekommen. Das bringt mich immens weiter, auch wenn es manchmal unangenehm ist, Kritik zu hören. Mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen und inzwischen bringt es mich auch weiter. So habe ich beispielsweise gelernt, dass kleine Schriften nicht jedermanns Sache sind und versuche inzwischen, Typographie als funktionellen Teil in Designs und Interfaces einzubauen. Es lohnt sich auf jeden Fall das eigene Talent zu nutzen. Nichts, wofür man sich schämen oder es verstecken müsste. Der "Rest" ist Arbeit. Manchmal auch harte Arbeit. Sich neue Techniken aneignen, über seinen Schatten springen, Kritik annehmen und verstehen können. Lange Zeit an etwas arbeiten. Niederlagen annehmen können. Das ist auch die Kehrseite dieses Jobs als Designer, den man oft einmal nicht auf den ersten Blick sieht. Behaltet einfach das Vertrauen in euer Talent. Ja, das sind die Tipps, die ich gerne weitergeben wollte.

T-Shirts

7. Seit einiger Zeit gibt es auch T-Shirts mit deinen Motiven zu erwerben. Kannst du uns bitte mal einige deiner Favoriten vorstellen und kurz erläutern was du damit ausdrücken willst?

Marius Bauer: Auf „Drink the sun“ bin ich in gewisser Weise sehr stolz. Einerseits, dass dieses Design eine Auftragsarbeit für das Label Design By Humans ist, andererseits da es mir viel bedeutet. Es ist ein Dankeschön an zwei meiner besten Freunde. Nachdem wir uns lange Zeit nach Auslandsaufenthalten nicht mehr gesehen hatten, kam mir diese Idee nach einem Treffen mit den beiden. Grundsätzlich wollte ich einfach meine Freude über diese Freundschaften ausdrücken und damit Danke sagen.

Syntax“ ist wohl eines der Designs, das eine eigene Richtung in meiner Arbeit zeigt. Letztens sagte jemand dazu: "This tee makes you feel like you can do anything you put your mind to. That or it could be the feel of the new shirts". Darüber freue ich mich sehr und sehe es auch als eine Art Hommage an James Wignall, auch einen großen Einfluss in meiner Anfangszeit.

Das bei laFraise erschienene Shirt „Unity“ liegt mir auch sehr am Herzen und ich trage es oft gerne selbst. Als Teil des zweiten großen Release des Communityprojekts Gaia ist es für mich Ausdruck dessen, was ich vorhin erwähnt habe. Dass eine Gruppe von Leuten vieles erreichen kann. Und das zeigt sich auch in der Weiterentwicklung von Gaia. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle die daran mitarbeiten!

Auch die anderen Shirts von „Aethlet“, „Circe“ und „My broken Heart“, die in den kommenden Wochen erscheinen, mag ich sehr. Eigentlich verbindet mich zu vielen meiner persönlichen Arbeiten eine wichtige Erinnerung, die ich in dem Design festgehalten habe.

SONE04

8. Neben deinen Illustrationen bist du auch durch die Welt des Moddings bekannt geworden. Hier hast du natürlich auch an vielen bekannten Suiten mitgewirkt. Begann das mit den kreativen Köpfen von 4impressions oder ist diese kleine Gruppe eine Folge dessen?

Marius Bauer: Den Anfang haben die Webseiten Customize und Deviantart gemacht. Ich habe nach einem passenden Winamp Classic Skin für ein Wallpaper von Tab gesucht und bin so über Google auf Customize gekommen. Zum Glück fand ich auch einen Skin, jedoch hat mir die Seekbar einfach nicht gefallen. So kam es dazu, dass ich das Paket des Skins geöffnet und mit meinem ersten Mod angefangen habe. In der Customize-Community habe ich mit Ricardo (Rioo) und Cara (Heylove) zwei Leute mit ähnlichem Stil und Faszination für Design gefunden. So fing auch das Projekt 4Impressions an. Wir arbeiteten an der Nano-Suite wie auch an Simple Plan und Aerea 04. Letztere Suite ist die bekannteste auf DeviantArt, wie ich letzte Woche erst entdeckt habe. Ja, so kann man schon sagen, dass 4Impressions einer der ersten Schritte in meinen Beruf war. Es gab immer eine klare Aufteilung in der Arbeit an den Suiten. So haben Ricardo und Cara an der Umsetzung der Skins für verschiedene System gearbeitet und ich das Interface und Design aller Suites gemacht.

9. Zum Abschluss noch eine Frage, was können wir von dir in naher Zukunft erwarten? Irgendwelche ungelüfteten Projekte?

Marius Bauer: Zur Zeit begleiten mich vier große Projekte. Zum einen die Arbeit für die Werbeagentur Utopia und deren Projekt der Werbetraeger. Für meine privaten Arbeiten Gaia 2009 und zwei ganz eigene. Mein Portfolio Sublevel.us und ein Store aller meiner Arbeiten. Als Premiere seit Ihr die ersten, die davon erfahren. Der Store ist ab heute eröffnet und für diese ersten Tage habe ich auch kleines Geschenk. Eine limitierte und signierte Serie an Kunstdrucken.

Prints

10. Danke für deine Zeit und das Interview, Marius.

Marius Bauer: Ich bedanke mich Oliver. Vielen Dank für die Einladung und das nette Gespräch!

Weiterführende Links:

Über den Autor

Oliver O.

Deutschland

Der 16 jährige Schüler strebt zurzeit das Abitur des Gymnasiums an. Schwerpunkte sind Naturwissenschaftlich wie mathematisch. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball, genießt seine Zeit mit Freunden oder experimentiert mit Photoshop und Illustrator.

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